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  PRESSE

 

Presseartikel vom 20.02.2012:

Hudelmale nehmen große und kleine Politik aufs närrische Korn

Ein kurzes Innehalten im närrischen Trubel der Straßenfasnet, die seit dem Gumpigen Donnerstag in Kißlegg von einem Höhepunkt zum anderen eilt, ist beim Zunftmeisterempfang möglich. In der fünften Jahreszeit, wenn der Schultes abgesetzt ist und die Narren das Regiment im Flecken übernommen haben, sind die Hudelmale bei ihrem Empfang Gastgeber im barocken Kleinod der Gemeinde, dem Neuen Schloss.


Bereits am Treppenaufgang wurden alle Ankommenden mit Fanfarenklängen begrüßt, und dann strömen die Narren unterschiedlichster Couleur in den Saal, behängt mit mehr oder weniger Orden. Auch die Narrenprominenz war angereist: aus dem Schwarzwald der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) Roland Wehrle, aus dem nahen Bad Waldsee Zunftmeister Franz Mosch, der Landschaftsvertreter der VSAN.Schultes muss Quiz lösen

Die nahende Bürgermeisterwahl warf ihre Schatten voraus, und Amtsinhaber Dieter Krattenmacher wurde dazu verdonnert, in alphabetischer Reihenfolge die gelösten Aufgaben in seiner Amtszeit aufzulisten. „Zwei Buchstaben bleiben übrig“, versicherte ihm Zunftmeister Hajö Schuwerk. Anschließend ging es in lockerer Folge und witziger Weise um „große“ und „kleine“ Politik. Krattenmacher, der von sich selbst als Stand-By-Schultes sprach, verteilte eine kleine Spitze via Wangen, indem er Kißlegg als neuen Dreh- und Angelpunkt bezeichnete, und bewertete Zunftmeister Hajö als wahres Prachtexemplar. „Stuttgart opfert wohl gerade unsere Umgehungsstraße“, wandte sich Krattenmacher hilfesuchend an Landtagsabgeordneten Paul Locherer. Dem VSAN-Präsidenten versicherte er: „Auch wenn alles pleite geht, der Wehrle bleibt.“

Als begeisterter Fasnetsfan outete sich Paul Locherer. „Was wäre die Fasnet ohne die Tausenden von Ehrenamtlichen, die Jahr für Jahr die Fasnet am Leben erhalten“, brach er eine Lanze für das ehrenamtliche Engagement im Brauchtum.

Farny-Chef Elmar Bentele nahm derweil die Schwierigkeiten bei der Verwirklichung des Projektes Hofgut Dürren zur Brauereiwirtschaft mit Hotel aufs Korn. „Fledermäuse sind der Hinderungsgrund. Die fliegen raus und rein, wie es ihnen gerade passt, und zahlen auch nichts“, sagte Bentele. Er hoffe weiterhin auf die baldige Umsetzung seines Projektes.

Ein Kabinettstückchen besonderer Art, das alles in den Schatten stellte und keine Steigerung mehr zuließ, lieferte Immenrieds Ortsvorsteher Martin Müller ab – mit einem Rundumschlag auf die Ortspolitik, auf neue Baugebiete und einen Bahnhof ohne Fahrkartenschalter und WC, bei dem besser die Züge gleich beim Bürgerbüro halten sollten. „Auch wenn es dem Pfarrer vielleicht nicht so passt“, setzte Müller seinen Bittgesängen „Oh Schnarragagges im Himmel, bitt’ für uns“ mit erhobenen Händen und Augen voran – eine närrische Meisterleistung.Prüfung bestanden

Waltershofens Ortsvorsteher Werner Bachmann, im Kißlegger Rathaus zuständig für die neue Abwassergebührenberechnung, bestand die Prüfung, verschiedene Steine den richtigen Kategorien zuzuordnen. Und die Auflösung des Krattenmacher-Quiz’? Der Kreisverkehr in Dettishofen, eine grüne Insel mit wucherndem Unkraut, der am Ende noch ein rotes Windrad aufgesetzt wurde.



Schwäbische Zeitung

 

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